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Der Antitierbenutzungshof
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Warum Antitierbenutzungshof?Viele Menschen werden sich sicherlich die Frage stellen, warum wir uns den "seltsamen" Namen Antitierbenutzungshof geben, anstatt uns einfach Gnadenhof oder Lebenshof zu nennen. Die Bezeichnung "Gnadenhof" lehnen wir ohnehin ab, da es keine Gnade ist, die wir (nicht nur den hier lebenden) Tieren entgegenbringen möchten. Tieren zumindest ein Stück ihrer Freiheit und Selbstbestimmung, die ihnen bislang vorenthalten wurden, zurückzugeben, hat für uns nichts mit Gnade oder Mildtätigkeit zu tun. Das Recht eines jeden Tieres, ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen, verweigert die speziesistische Gesellschaft (also eine Gesellschaft, die nichtmenschliche Tiere systematisch ausbeutet und unterdrückt) jenen, die nicht zur Spezies Mensch gehören. Insbesondere die als Nutz- oder Haustiere klassifizierten Individuen werden nicht geboren, um frei zu sein, sondern um den Wünschen der Menschen entsprechend benutzt zu werden. Dieses Denken lehnen wir grundlegend ab. Daher ist für uns auch der Begriff "Lebenshof" - den wir weitaus besser als "Gnadenhof" finden - nicht aussagekräftig genug. Wir wollen nicht nur den hier lebenden Tieren ermöglichen, weiterzuleben bzw. besser zu leben als vorher, sondern uns zusätzlich gegen jede Tiernutzung aussprechen. Viele Gnadenhöfe benutzen die Tiere, die bei ihnen leben, weiterhin: Zum Reiten, für Kutschfahrten, zur Tiertherapie, als Lehr- und Anschauungsobjekte in einer Art Streichelzoo, ... und nicht selten werden die Haare von Schafen als "tierfreundliche Wolle" vermarktet oder die Eier von Hühnern als Lebensmittel angesehen und verwendet. Weiterhin werden für das Betreiben des Gnadenhofes zumeist andere, nicht dort lebende Tiere, benutzt: Ihre Leichenteile werden beispielsweise den auf dem Gnadenhof lebenden Katzen oder Hunden in Form von "Katzenfutter" oder "Hundefutter" zum Essen gegeben. Wir dagegen möchten kein Tier (ob nun bei uns lebend oder nicht) mehr für menschliche Zwecke benutzen. Das heißt beispielsweise, daß wir die Eier der hier lebenden Hühner weder selbst essen noch als "ethisch korrekte" Eier weiterreichen - sie sind für uns keine Lebensmittel. Leider kommen auch wir nicht um etliche Zwangsmaßnahmen wie zum Beispiel das Scheren der Schafe herum. Die Notwendigkeit des Scherens von Schafen aufgrund des ihnen angezüchteten enormen Fellwachstums ist ein deutliches Zeichen dafür, wie abhängig domestizierte Tiere vom Menschen - und somit die bei uns lebenden Tiere von uns - sind. Die "Wolle" jedoch vernichten wir, sehen sie nicht als Rohstoff für Bekleidung an, sondern als das Resultat einer Gewalthandlung, die wir den Schafen antun müssen. Alle hier lebenden Tiere - auch Katzen und Hunde - werden von uns vegan ernährt. Grundsätzlich ist das Leben aller domestizierten Tiere von Gewalt und Unterdrückung geprägt, und diese Tatsache verliert sich auch nicht auf unserem Hof: Kein Tier hat sich freiwillig dazu entschieden, hier zu leben; keines der Tiere kann selbst entscheiden, wie und mit wem genau er oder sie dieses Leben verbringen möchte. All diese Entscheidungen - von der täglichen Ernährung bis zu medizinischer Versorgung im Krankheitsfall - treffen wir für sie. Niemals könnten wir zum Beispiel solch große und kräftige Tiere wie Pferde halten, sie auf eine Koppel oder in den Stall führen, wenn nicht ihr Wille durch den Menschen gebrochen worden wäre. Wir lehnen Tierhaltung mit all ihren schrecklichen Konsequenzen zutiefst ab und können doch den bei uns lebenden Tieren keine Freiheit geben. Sie sind abhängig von Menschen und teilweise alleine nicht überlebensfähig bzw. wären durch Straßenverkehr, JägerInnen usw. zu gefährdet oder würden freilebend nicht geduldet werden. Das einzige, was wir tun können, ist, ihnen eine den äußerst begrenzten Bedingungen der (Gefangen)haltung entsprechende größtmögliche Entfaltungsmöglichkeit zu gewähren. Das heißt für uns in erster Linie, sie in der Gruppe/Herde mit relativer Entscheidungsfreiheit, mit welchen ihrer Mitgefangen und mit welcher Beschäftigung sie ihre Zeit verbringen, leben zu lassen, ohne daß sie ständig von Menschen bedrängt werden. Wir möchten eher Tieren Zuwendung und Aufmerksamkeit geben, wenn sie auf uns zukommen (was bei manchen Tieren sehr ausgeprägt und bei anderen wenig bis gar nicht der Fall ist), als ihnen diese Zuwendung permanent aufzudrücken. Tierhaltung wäre ohne massive Eingriffe in das Leben der Tiere - wobei die Haltung an sich bereits den grundlegendensten Eingriff darstellt - nicht möglich. Ein Gnaden-, Lebens- oder auch Antitierbenutzungshof stellt somit keine Idylle dar, sondern einen Ort, an dem Tiere weiterhin unfrei sind und wo ihnen strukturelle sowie direkte Gewalt widerfährt. Selbst wenn die Zwänge, denen die Tiere auch an solchen Orten ausgesetzt sind, von den meisten Leuten nicht als Gewalt definiert werden, erkennen wir diese im Herrschaftsverhältnis, das die nichtmenschlichen Tiere mit uns verbindet, eindeutig. Somit befürworten wir ein Ende jeglicher Ausbeutung und Benutzung von Tieren - eine Welt, in der nichtmenschliche Tiere freie Individuen sind und nicht einige wenige Orte wie Lebenshöfe oder wie auch immer sie sich nennen mögen als Idylle in einer Welt voller Schlachthöfe erscheinen. Das Konzept GnadenhofMit der Idee eines Ortes, an dem nichtmenschliche Tiere, die vor der Schlachtung oder aus "schlechter Tierhaltung" gerettet wurden, leben können, sympathisieren sehr viele Menschen. Zwar kommt es für die meisten aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht in Frage, solch ein Projekt selbst zu betreiben, doch viele sind begeistert von der Existenz dieser Orte, einige von ihnen träumen sogar von einem eigenen Gnadenhof. Die wenigsten dieser Menschen leben vegan bzw. lehnen die Benutzung nichtmenschlicher Tiere oder auch nur die Schlachtung generell ab. Im Gegenteil: Ihre Tierliebe und die Befürwortung der Rettung einzelner Tiere stehen nicht im Konflikt damit, Tiere als Lebensmittel zu betrachten (und folglich ihre Leichenteile als "Fleisch" zu verzehren) oder Tiere für jeden erdenklichen anderen Zweck zu benutzen bzw. benutzen zu lassen: zur "Produktion" von Milch, Eiern oder "Leder", als Unterhaltungs- und Vergnügungsobjekte im Zoo oder Zirkus, als "Versuchstiere" in Tierversuchen, ... und nicht zuletzt als "Haustiere" für die Befriedigung verschiedenster Bedürfnisse. Gnadenhöfe stellen keinen Gegensatz zum Speziesismus - einem (alltäglich praktizierten) ideologischen Konstrukt, nach dem nichtmenschliche Tiere für "uns" da wären - dar. Sie stellen die Ausbeutung und Unterdrückung von Tieren nicht grundsätzlich in Frage, sondern höchstens einzelne Aspekte oder Ausmaße wie als (besonders) tierquälerisch angesehene Formen der Tierhaltung (und nicht die Haltung an sich), Tiertransporte, bestimmte Arten des Schlachtens oder das Schlachten von bestimmten Tierarten (und nicht das Schlachten an sich). Ihr Ziel ist zumeist nicht Auflösung des Systems, das nichtmenschliche Tiere unterdrückt, sondern lediglich die Rettung Einzelner vor bestimmten Konsequenzen, die das System (bzw. jeder speziesistisch denkende und handelnde Mensch!) verursacht. Und so können die meisten Menschen, die selbst speziesistisch denken bzw. speziesistische Praktiken (das Essen von Tieren, das Trinken von Milch, das Tragen von Tierhaut, das Verhöhnen von Tieren im Zirkus oder dergleichen) ausüben, dem Konzept Gnadenhof viel Positives abgewinnen, zumal Haltungen wie Tierliebe weit verbreitet sind: Tierrettung (die Rettung einzelner Tiere aus bestimmten Situationen, nicht die Bewahrung aller nichtmenschlichen Tiere vor menschlicher Gewalt) und Tierschutz (der die Benutzung von Tieren befürwortet und sie keineswegs beenden, sondern lediglich reformieren will) gelten in unserer Gesellschaft als positive Werte und vernünftige Ziele. Tierbefreiung - das Anliegen, nichtmenschliche Tiere gänzlich aus menschlicher Herrschaft zu befreien - dagegen ist zumeist auch in den Augen derer, die von Gnadenhöfen und ähnlichen Konzepten begeistert sind, übertrieben, lächerlich, absurd. "Tiere sind für uns da!", darin sind sich die meisten Menschen und auch sicherlich viele GnadenhofbetreiberInnen einig. Was sollte der Lebenssinn eines "Mastschweins" sonst sein, außer zum "Schinken" oder zu "Speck" gemacht zu werden, was der einer "Milchkuh", außer "uns" Milch zu "geben", was der eines "Reitpferdes", außer geritten zu werden? Und vor allem: Was ist daran verwerflich? Daß einige außerwählte Tiere nach ihrem "Dienst" im Sinne der Menschen noch das Gnadenbrot bekommen, dagegen haben die Wenigsten etwas, zumal dies keinen Angriff auf ihre Überzeugungen, wozu Tiere "da wären", darstellt. Nein, der Gnadenhof kann sich optimal in die speziesistische Realität integrieren: Als Rechtfertigung, Tiere zu benutzen, solange ihnen (das heißt: einigen wenigen von ihnen) eine "Rentenzeit" zugestanden wird, als Symbol und Beweis für die Gutmütigkeit gegenüber Tieren, als Ort, um die eigene Tierliebe auszuleben (durch Begegnungen zwischen "Mensch" und "Tier" oder durch Zuwendungen wie Spenden, die als Gewissensberuhigung hinsichtlich dessen, was nichtmenschlichen Tieren überall sonst angetan wird, fungieren können), ... Selbst wenn auf einem Gnadenhof nicht direkt Tiere (zum Reiten, für Kutschfahrten, zur Tiertherapie usw.) benutzt werden (was längst nicht nur beim wohl prominentesten aller Gnadenhöfe Gut Aiderbichl der Fall ist), so wird doch zumeist direkt oder indirekt vermittelt, daß die Benutzung nichtmenschlicher Tiere prinzipiell in Ordnung ist, solange diese bestimmte Grenzen (zum Beispiel die zwischen "guter Tierhaltung" und "Tierquälerei" konstruierte) nicht überschreitet. Übrigens befindet sich Gut Aiderbichl Bayern nur rund 30 Kilometer von uns entfernt, weswegen Gut Aiderbichl hier in der Gegend sehr bekannt und angesehen ist. Oftmals werden wir gefragt, ob wir "Klein Gut Aiderbichl" bzw. etwas vergleichbares wie Gut Aiderbichl wären oder werden ungefragt so bezeichnet. Von diesem Vergleich möchten wir uns eindeutig distanzieren. Anders als dieses selbsternannte Tierparadies sehen wir an Tierhaltung absolut nichts "paradiesisches", das heißt nichts tolles oder erstrebenswertes. Für eine Welt, die keine Gnadenhöfe braucht, weil alle Tiere in Freiheit leben! |